Neue Begutachtungsrichtlinien in Kraft getreten

Älterer Mann mit Mobiltelefon auf dem Sofa sitzend.

Der Medizinische Dienst kann die Pflegebedürftigkeit auch telefonisch feststellen.

Wenn gesetzlich Versicherte einen Antrag auf Pflegeleistungen bei ihrer Pflegekasse stellen, beauftragt diese den regional zuständigen Medizinischen Dienst mit der Begutachtung. Dabei wird festgestellt, ob die Voraussetzungen für eine Pflegebedürftigkeit vorliegen und wenn ja, welcher Pflegegrad vorliegt. Außerdem wird geprüft, ob die Versorgung mit Pflegehilfsmitteln angemessen ist und ob Leistungen zur Prävention oder Rehabilitation empfohlen werden sollten.

Aufgrund der neuen Pflegereform, dem Pflegeunterstützungs- und Entlastungsgesetz (PUEG), musste das Begutachtungsverfahren neu geordnet und beschrieben werden. Es wurden neue gesetzliche Voraussetzungen dafür geschaffen, dass Begutachtungen zur Einschätzung der Pflegebedürftigkeit nun auch regelmässig - und nicht nur in Krisenzeiten wie der Corona-Pandemie - mittels eines strukturierten Telefoninterviews durchgeführt werden können.

Die neuen Richtlinien sehen vor, dass telefonische Pflegebegutachtungen regulär zum Beispiel bei Höherstufungs- und Wiederholungsbegutachtungen von Pflegebedürftigen ab dem vollendeten 14. Lebensjahr eingesetzt werden können. Der Medizinische Dienst prüft zuvor, ob Begutachtungen nur mit einer weiteren anwesenden Unterstützungsperson durchgeführt werden darf, beispielsweise:

  • bei alleinlebenden Menschen mit einer demenziellen oder psychischen Erkrankung,
  • bei Jugendlichen zwischen dem vollendeten 14. und unter dem 18. Lebensjahr,
  • bei Menschen mit denen eine sprachliche Verständigung mit dem Fachpersonal für die Begutachtung schwierig oder nicht möglich ist.

Die Begutachtung durch ein strukturiertes telefonisches Interview ist ausgeschlossen, wenn:

  • es sich um eine erstmalige Untersuchung der antragstellenden Person handelt, in der geprüft wird, ob die Voraussetzungen der Pflegebedürftigkeit erfüllt sind und welcher Pflegegrad vorliegt,
  • es sich um eine Untersuchung aufgrund eines Widerspruchs gegen eine Entscheidung der Pflegekasse zum festgestellten Pflegegrad handelt,
  • es sich um eine Prüfung der Pflegebedürftigkeit von Kindern, die das14. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, handelt,
  • die unmittelbar vorangegangene Begutachtung das Ergebnis enthält, dass Pflegebedürftigkeit im Sinne des § 14 Absatz 1SGB XI nicht vorliegt oder
  • das Vorgutachten nach Hausbesuch bei antragstellenden Personen, die in der häuslichen Umgebung versorgt werden, älter als 36 Monate ist,
  • aus fachlicher Sicht diese Begutachtungsart nicht geeignet oder eine danach erforderliche Unterstützungsperson nicht anwesend ist, oder
  • die antragstellende Person trotz des Vorliegens der Voraussetzungen diese Begutachtungsart ablehnt.

Wichtig: Bei einem Hausbesuch können sich die Gutachter*innen in der Regel ein besseres Bild von der Lebens- und Versorgungssituation der antragstellenden Person und ihrem Unterstützungsbedarf machen. Bei allen Begutachtungsformen empfiehlt sich die Anwesenheit von Angehörigen, Bekannten oder Fachkräfte eines ambulanten Pflegedienstes.

Weitere Informationen zu den Begutachtungsrichtlinien können Sie der Website des Medizinischen Dienstes entnehmen. 

 

nach oben